+++zurück von einer wundervollen kleinen tour durch tschechei-ien, polen und deutschland; klingt abgeschmackt, aber die 10 tage der tour waren jeder für sich ein einzigartiges erlebnis; versuche mich mal aus dem stegreif an das zu erinnern, was pro stadt hängen geblieben ist (oder auch die drei amateurhaften lebemänner und der professionelle soundcheckschock-mann):fenster zumachen
bayreuth-glashaus---
hängen bleibt das catering von veranstalter mikel und die hohe meßlatte dadurch gleich zu beginn; mikels äußerst angenehme person, die sehr positive resonanz des publikums und der erstmals auf tour auftauchende und dann immer wiederkehrende satz: "normalerweise sind viel mehr leute da, aber…" oder später dann "normally…, but today."; waren ganz im gegensatz zu den veranstaltern aber immer sehr zufrieden mit der zahl und resonanz der zuschauer;
brno-horacka restaurace---
tja und das restaurace war durchaus wörtlich zu nehmen oder vielleicht besser wirtshausaurace; als wir ankommen sitzen die alten ausm dorf noch beim karteln/karten spielen und schnäpschen trinken beisammen; müssen uns den weg mit unseren sperrigen boxen an ihnen und deren genauso verdutzten gesichtern bis ans kneipenende hinten bahnen; der mischer spricht weder deutsch noch englisch, wir kein tschechisch, er versteht das eigentlich als universell international angenommene wort für mischer: "soundcheck" nicht, was einen von uns fast an den rand eines kleinen nervenzusammenbruchs bringt; konzert ist trotzdem sehr sehr geil, hier stellen wir fest, daß sich unsere einfach gestrickte und häufig auch sehr rocklastige mucke mit jungen tschechen und deren radegast-bier-konsum wunderbar verträgt; unser mitmusikant noch vom soundcheck-schock mitgenommen legt sich ab und wir schließen kurzfristig dicke freundschaft mit ein paar neuen freunden unserer musik bei kicker, dart, bier, labern etc; lerne michael überhuber kennen, einen brnoer, der mir während des konzerts einen club/fcn-schal umhängt und immer wieder so was wie überrrhubbbr oder so ähnlich schreit; zeigt mir seinen perso und erzählt mir, daß sein großvater deutsch war; von dem sei auch der obstler im flachmann, den wir immer wieder abwechselnd trinken; später überrrhubbbbrrn wir nur noch; ein traum;
koprivnice-nora---
zu beginn schicken wir den club-verwalter erstmal unterm kicker durch, weil er für alle völlig überraschend zu null verliert; können uns mit ihm auch nur in zeichensprache unterhalten, machen ihm diese regelung aber so klar und er macht es auch noch; sehr symphatisch, hier fühlen wir uns gleich wohl; dann lernen wir unsere veranstalter kennen, mit denen wir nach dem konzert eine der schönsten nächte verbringen: petra, radim und lenka; noch dabei, der erste wirkliche genetiker, den wir kennen lernen: jiri, der mit radim in der band ema camelia spielt und biologie studiert; während unser soundcheck-schock-mann an der matraze horcht, lernen wir koprivnice unter der woche bei nacht kennen; hier brennt die atmo; egal, wir haben in einem riesigen völlig leeren club zu sechst rießenspaß und unterhalten uns die ganze nacht über biersorten und rilkes malte laurids brigge; wenn alles gut läuft geht's im juli wieder hin; nach dieser wundervollen nacht trennen wir uns so langsam vom soundcheck-schock-mann, der uns und dem ganzen ding hier scheinbar nervlich einfach nicht gewaxen zu sein scheint; wir müssen sowieso nach nürnberg zurück, weil wir in gerry schusters film mitspielen und weil's erst am 24. bei milano weiter geht; noch in der nacht rufen wir den jetzt definitiv heiligen franz zeidler von missouri an, der sich bereit erklärt, die nexten 5 konzerte mit uns am bass zu spielen; es ist nicht viel zeit bis dahin, wir können nur einmal zusammen proben, die nexte probe ist dann gleich das konzert; till, ein freund von alex hilft uns bei den dreharbeiten am bass aus (wir spielen eines unserer lieder in gerrys trash-klamotte); läuft trotz oben genanntem hindernis wie am schnürchen; if you really want something, mein freund, then you can make it und an dieser ausstrahlung bleiben andere dinge wie an einem magneten kleben, schön; kann ja nur gut für uns sein; die 2 italien-gigs sind etwas surreal;
seveso-dream´s planet---
fahren trotz handy gps(?) vom heiligen franz und relativ genauer karte sieben mal am club vorbei und zwar an der offensichtlich an der straße aufgestellten und leuchtenden, eben leucht-reklame, vorbei; bringen diese 2 dinge einfach nicht zusammen, club in dem wir normalerweise spielen und leuchtreklame; fahren dann doch auf den parkplatz und sehen am club-eingang ein plakat von uns hängen; also-gut; die verwunderung legt sich auch bei betreten des clubs nicht; 5 tage vorher noch in einer tschechischen kneipe in der sie abends die alten leute rauskehren, damit die jungen ihr konzert veranstalten können und jetzt dieser quasi edelclub-disko-schuppen mit plastikpalmen und verspiegelter tanzfläche; beim soundcheck hören wir einen der italiener über unseren sound sagen: "superbrutali"; dankeschön, der nexte running gag unserer tour; nach dem soundcheck der moment für den es sich definitiv gelohnt hat diese weite strecke nach italien zu fahren: wir essen mit den 2 italienischen bands, mit denen wir an diesem abend zusammenspielen, spaghetti aglio e oglio und trinken italienischen wein und zwar alle zusammen, was in diesem maße so bei keinem anderen konzert passiert; ein erhebender moment, sozusagen die italien-reise der genetiks; momente, die man in moneten nicht aufwiegen kann und möchte, es sei denn man ist völlig knülle geboren oder hat eine sozialisation in der nähe fliegender händler und waschmaschinen-tür-verkäufer durchlebt; leben und moneten verdienen, ein selten zu vereinender gegensatz, was uns aber in diesem moment scheißegal ist; vielleicht für den ein oder anderen soundcheckschock-mann unverständlich, aber man muß auch vertrauen können, sich fallen lassen können, einfach mal nur…sein…abhängen ohne s.e.-stock im arsch; moneten mal moneten sein lassen; na ja, wie dem auch sei…; danach schlafen wir direkt vor der bühne im noch von schweiß und rauch warmen club auf aus dem nichts gezogenen matrazen, eigentlich auch ganz gut; am nexten morgen gibt's vom veranstalter frische ital. croissants (!?) und mit dem barmann tauschen wir t-shirts bzw. hemden; weiter geht's nach
cesena-vidia club---
auch das ein unübertreffliches erlebnis, weil: der club/großraumdisko für kids um 11 als wir anfangen noch mehr oder weniger leer ist; weil wir eine der nettesten und ambodengebliebensten bands around ein bisschen näher kennen lernen; they think they are the robocop kraus; weil so ab halb eins, als robocop spielen, ganz langsam immer mehr schnieke, zum teil ganz ganz junge italiener mit täschchen und seeehr viel gel in den haaren eintrudeln; weil die dann ungefähr anwesenden 280/300 girls vs. boys mehr oder weniger immer noch keine notiz von der spielenden band nehmen und schwupps als die ihr letztes lied gespielt haben wirklich alle auf die tanzfläche rennen zur afro-disko; noch ein kurzes "senza tutti…blablabla…the robocop kraus…" vom dj durchs mikro, dann bricht die jugend los; wir müssen leider/gottseidank gleich los, weil wir am abend ein konzert in
görlitz-hospi 30---
haben; dort lernen wir die wundervollen silent front aus england kennen und die werden nicht nur unsere myspace freunde; ganz so wie neulich noch im schullandheim oder skilager werden sie unsere nachtsübelstschnarch-und stinkendesocken-freunde für die nexten 3 tage; ein kleines und feines konzert für uns; nur richie, einem der gäste gefällt unsere mucke nicht so ganz; will uns durch seine zwischenrufe ärgern oder provozieren, ist halt scheinbar heute nicht so gut drauf, der gute, irgendwie so in der klassischen trust-laune, würd ich sagen; und er hat offensichtlich ganz schön was gekippt; wir sind nach der 1200km fahrt aus italien auch nicht gerade 68er mäßig drauf; als er -studenten- vorruft, frage ich ihn, ob er abi hat, er antwortet blöderweise, nein, aber er mache es gerade nach; sage ihm, daß wir alle nicht mal dieses scheiß abi haben und handwerker sind; was ja auch stimmt, ich bin koch, frank ist tontechniker, anselm kameramann, und alex ist journalist (hehe); alles astreine rudeboyjobs total straßenglaubwürdig, wir haben im gegensatz zu ihm oder dem trust alle schon mal eine schaufel gesehen; na ja, der angehende student beschimpft dann noch irgendwie meine mutter, deren ehre ich nicht rette, weil wir lieber noch ne zugabe spielen, sind ja noch andere gäste da; was denken sich nur silent front bei der ganzen chose? mache nach dem konzert einen auf soundcheckschock-mann und lege mich vor den anderen biertrinkern ab, denn ich werde krank von einem zum anderen ohr
piensk-ambassador---
auch wieder ne geile geschichte; am nexten tag fahren wir über die deutsch-polnische grenze so 2km entfernt, richtung piensk, kommen am frühen abend an ner art unterweltclub an, im club fehlt eigentlich nur noch die stripstange, ne mischung aus bar und club; der clubbesitzer, vor dem wir schon in görlitz gewarnt wurden -the club-owner is a dickhead, but the people who organize it are quite cool- hat nen stacheldraht um den hals tätowiert, ist 1,90cm groß und ca.150kg schwer; wir 4 handwerker haben erst mal angst vor ihm, bis anselm ein schnäpschen mit ihm trinkt und uns danach glaubhaft versichert, daß der typ echt toootal nett ist; wie versprochen sind nicht viel leute da, so ca. 25 vielleicht, es wird aber unsere geilste show mit silent front zusammen, keine bühne, alles verspiegelt, wir stehen direkt vor den leuten, die leute vor uns; silent front fängt an, wir danach, es ist extrem gute stimmung, es funkt, die leute tanzen und gehen ab; als wir aufhören, lässt uns der veranstalter nicht aufhören; ich geh ans mikro und sage, daß wir nur nochmal spielen, wenn silent front auch nochmal spielen; die sind so cool und spielen nach unseren 3 liedern auch nochmal 4oder5 songs; in der anderen hälfte der geschichte übernimmt anselm von beiden bands die rolle als hauptdarsteller, sozusagen gebündelt; das wird anselms denkwürdigster abend; am abgefahrensten ist es, daß uns irgendein gäste-pärchen, alle vollgeschwitzt und stinkend wie wir sind, zu sich nach hause in ihr sauberes und geordnetes und auch eher schickes appartment mitnehmen; warum auch immer; trotzdem haben die sich dann den zweiten teil der nacht irgendwie doch nicht so vorgestellt; haben eben nicht mit anselms unbändiger energie gerechnet; anselm singt, tanzt, schreit etc. auf der küchenbühne dieser netten polnischen wohnung als gäbe es nie mehr einen nexten morgen; die zarten nerven des soundcheckschock-mannes wären spätestens hier und jetzt aus ihren verankerungen gesegelt; die engländer sind fasziniert von diesem deutsch-rumänischen urviech und rufen nur noch hanzem, hanzem; anselms name falsch verstanden; die nexte losung/formel unserer tour, hanzem, hanzem;
zielona gora-squat---
eine kultstätte in polen, ungefähr so wie der vor ein paar jahren in nürnberg beerdigte legendäre alte kunstverein/kv; schief, kaputt mit alten möbeln, eine baracke und überall dreck davor; spät abends zum konzert dann gefüllt mit hauptsächlich wunderhübschen frauen; surreal, man; ne szene für gaultier: dreck und schönheit vereint in einer nacht hier in polen; wir lieben es natürlich, natürlich; vor dem sogenannten soundcheck, mann ;-) und vor dem club spielen wir gegen DIE engländer schon mal das kommende weltmeisterschaftsviertelfinale mit nem sektkorken nach. Wir gewinnen knapp; als erstes spielen wir, unser sozusagen bestes konzert; vielleicht weil auch abschiedskonzert mit und für silent front; wollen denen nochmal was mitgeben, auch deren konzert das intensivste der 3 tage (oben nur das geilste :), danach noch tanzen zu fat freddys drop, depeche mode und majority of one, schlafen, am nexten tag noch schnell diese geilen und hier saubilligen soja-in-gemüsebrühe-koch-und-aufgeh-schnitzel in massen gekauft und zurück nach nürnberg; nach einem kuss auf die stirne der noch schlafenden silent front: hanzem;
most/vtelno-zavraty---
beim letzten konzert der tour müssen wir noch einen anderen basser anlernen, da die almighty zeitla leida keine zeit at; nils von ehemals smart ass dynamite und the seizures hat zeit und lust und spielt das set innerhalb einer probe ein und fährt mit nach most; bus haben wir zurückgegeben, leihen uns sehr kurzfristig den von hidalgo aus, der wiederum nach ca. 1km abkackt; jetzt muß auch wieda die almighty zeidla herhalten, der mit seinem kombi eigentlich gerade nürnberg zu einem job nach schweinfurt verlässt; anselm ruft die almighty an und erwischt ihn kurz vorm verlassen; wir laden an ner tanke die sachen in zeidlas auto um, zeidla leiht sich anselms mutters auto; wahnsinn, wie alles im nichtklappen klappt bei uns; hanzem; abends ankunft in most, es ist kaum jmd da, so ca. 25/30 sehr jungsche; spielen total beengt, über leidliches equipment, mittlerweile völlig krank; nils spielt fehlerfrei; hanzem; hanzem selbst entwickelt sich zur bühnensau; hier tauchen die ersten richtigen groupies in dem sinne auf; fahren schnell heim; im morgengrauen kommen wir in nürnberg an; ins bettchen; wache nachmittags aus dem ganzen traum auf; hab ich das mit dem soundcheckschock-mann alles nur geträumt oder gibts den wirklich? den gibts wirklich: der soundcheckschock-mann hat mittlerweile ein kleines mittelständisches unternehmen in seiner stadt gegründet, mit 3 angestellten; es werden schweißbänder für live-konzerte hergestellt; mit der aufschrift -do-it-yourself is just another brand-; musik macht er keine mehr, einfach zu nervös der gute mann; die band tingelt immer noch erfolglos aber glücklich durch den ostBLOCK, man hat keinen der vielen guten tipps des soundcheckschock-mannes berücksichtigt;

geschichte: maik helmut dornberger
fotosfotos: fumanschuhphoto@gmx.de fenster zumachen