Vielversprechendes CD-Debüt der Nürnberger Band „Genetiks“: Musik aus dem Bauch heraus <---zurück
Noch vor einigen Wochen hätte dieses Gespräch so wohl nicht stattgefunden: „Eigentlich reden wir nicht über Musik“, sagt Anselm Lenhardt. Dass er und sein Kollege Maik Dornberger an diesem Tag eine Ausnahme machen, liegt daran, dass das im Januar erscheinende Debütalbum ihrer Band Genetiks „Bitte zurücktreten“ seit einer Woche im Kasten ist. Im Prozess des Songschreibens nämlich, Lenhardt und Dornberger nennen den tatsächlich „Lieder machen“, seien Diskussionen über die Musik unerwünscht.
„In dem Moment, in dem man anfängt an der Musik rumzudiskutieren, wird sie verkopft“,
erklärt Sänger und Gitarrist Dornberger, „Wir würden nie sagen, etwas passt nicht
zu uns, das können wir nicht machen.“ Die Songs der Genetiks entstehen ausschließlich
im Übungsraum, „aus dem Bauch heraus“, wie man sagt. Zu Hause habe er noch nicht
einmal eine Gitarre, um etwa Riffs oder Melodielinien vorzubereiten, meint Dornberger:
„Es ist uns wichtig, dass die Mittel einfach bleiben, aber das Ergebnis dennoch
originell wird.“
Diese dem Fluxus-Gedanken in der bildenden Kunst ähnliche Philosophie des Songschreibens
kostet Zeit. Seit 1999 existiert die Band um Keyboarder Lenhardt und Dornberger
bereits. Und ihr treibender Sound, der ihnen nicht selten Vergleiche mit Bands
wie EA 80, DAF oder den Einstürzenden Neubauten einbrachte, war hier längst bekannt,
ehe es im Sommer an die Aufnahmen zur ersten LP ging.
„Wir
wollen mehr Konzerte spielen“
„Wir
wollten die Band mit der Platte voranbringen“, sagt Lenhardt, „und künftig vor
allem mehr Konzerte spielen.“ 30 bis 40 sollen es im nächsten Jahr sein. Zu viel
für Bassist und den Schlagzeuger, die die Genetiks kurz vor dem Studiotermin verließen.
Mit Hilfe
der versammelten Nürnberger Musikerszene gelang es dennoch „Zurücktreten bitte“
einzuspielen. Inzwischen ist Ex-Noise-Cage-Drummer Alexander Otto als fester Schlagzeuger
zur Band gestoßen. Am Bass herrscht nach wie vor große Fluktuation.
„Mittlerweile
gibt es drei Bassisten, die unser Set drauf haben“, erzählt Dornberger, ob des
„Musiker-Sharings“ mache er sich kaum Sorgen.
Da
Millipede Records, das Nürnberger Plattenlabel der Genetiks, derzeit in Verhandlungen
mit einem neuen Vertrieb steht, um seine Veröffentlichungen besser präsentieren
zu können, wird das Album dennoch erst zum 1. Januar nächsten Jahres erscheinen.
Zur Releaseparty ohne eigentliche Release heute Abend im Zentralcafé des K4 gibt
es deshalb als angemessene Entschädigung die Singleauskopplung „Astronaut“ („Ohne
Schwerkraft stehen mir die Haare“) im Eintrittspreis inbegriffen.
Der
energiegeladene Soundmix darauf lässt die bereits mystisch verklärt legendäre
Livepräsenz der Band erahnen. Um die Synthesizersäule im musikalischen Epizentrum
der Genetiks baumeln Wave, Hardcore und Elektropunk und kollidieren rhythmisch
miteinander.
Auf
dem „Neue Neue Deutsche Welle“-Zug wollen die Genetiks ohnehin nicht aufspringen.
„Wir werden uns davon weder abgrenzen, noch liebäugeln wir damit“, sagt Lenhardt,
„wir schauen nicht nach außen und haben uns über so was noch gar keine Gedanken
gemacht.“ Darüber gesprochen wird bei der Band ja schließlich auch nicht. Christian
Rothmund
Die
Genetiks spielen heute Abend im K4.
Infos:
http://www.genoton.de/
6.10.2005 0:00 MEZ © N?RNBERGER ZEITUNG